Grußwort André Bücker

André Bücker

André Bücker

To whom it may concern

Bei der Arbeit an einem Grußwort für die Kültürtage kommt man derzeit schnell ins Stocken. Wie ist es denn im Jahr 2018 mit der Kultur bestellt? Festzustellen ist, die Einflussnahme von Politik im kulturellen Bereich wird immer massiver, die Kunstfreiheit gerät in die Defensive und wird zum Spielball von Machtpolitik, nicht nur in fernen Ländern. Und wie ist es bestellt mit dem Zusammenleben der Kulturen in Deutschland im Jahr 2018? Wenn man in die Medien schaut, muss man das Gefühl bekommen, nie war man sich fremder in diesem Land als heute. Die sogenannte „Flüchtlingskrise“ wird zum Endzeitszenario unserer Republik aufgebauscht und mit Mesut Özil werden Stellvertreterkämpfe zwischen „rechts“ und „links“ ausgefochten. Aber ist der Blick in die Medien wirklich tiefenscharf? Leben wirklich in Deutschland seit Jahrzehnten die „Inländer“ und die „Ausländer“ nur aneinander vorbei? Oder ist es nicht vielmehr so, dass viele Kulturen in diesem Land sehr gut miteinander leben? Ist es nicht an der Zeit, den Blick auch mal zu weiten, um abseits der alltäglichen Notwendigkeit zur Sensation, der Lust an der schlechten Nachricht, aber auch abseits von unrealistischen Beschönigungen das Selbstverständliche des Miteinander zu feiern? Und wie ginge das besser als mit Kultur? Mit Kultur, die Verständnis möglich macht, die das Andere aufzeigt und so den neuen Blick auf uns selbst freigibt. Die Kültürtage machen diesen Blick möglich. Das Programm vereint die Kulturen der Stadt zur Stadtgesellschaft. Immer wieder. Das ist schön. Das gibt Kraft. Ich wünsche den Kültürtagen, allen Akteuren und den Zuschauern erhellende Erlebnisse!

André Bücker

Intendant Staatstheater Augsburg

Foto: Peter Litvai

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